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Hannah Arendt: Übergängiges zwischen Privatem und Politischem

Damit wird indirekt ein Vorurteil bedient, dem Arendt in ihrer Reaktion auf die Eingangsfrage im berühmten Fernsehinterview mit Günter Gaus (1964) zu ihrem Status als Philosophin im Kreis männlichen Philosophen (und erste in dieser Reihe portraitierte Frau überhaupt) mittelbar Vorschub geleistet hat. Vehement verwahrt sie sich zunächst dagegen, ihre Arbeiten in ‚politischer Theorie‘ mit ‚Philosophie‘ verwechselt oder gleichgesetzt zu sehen. Dieser Unterschied rangiert für sie höher als der zwischen Männern und Frauen. Als Gaus nicht locker lässt, impertinent auf die Frage der ‚Emanzipation‘ und deren Bedeutung „für Sie persönlich“ zurückkommt, wechselt Arendt die Strategie: Das Problem sei wohl immer da, habe für sie jedoch nie eine Rolle gespielt, weil sie immer gemacht hätte, was sie wollte. Aber sie fügt auf undurchsichtig schillernde Weise noch eine Bemerkung über die „fraulichen Tugenden“ hinzu, die an das Pelzjäckchen erinnert: „Es sieht nicht gut aus, wenn eine Frau Befehle erteilt …“.. Die feministische Philosophin Astrid Deuber-Mankowsky hat ohne Bezug auf dieses Beispiel (im Katalog der oben erwähnten Ausstellung) von Arendts „Politik der Desidentifikation“ gesprochen. Und damit einen wunden Punkt der feministischen Arendt-Rezeption geschickt umschifft oder auch: behutsam ummäntelt.

Charlotte Yonga

Text: Maike Salazar Kämpf Fotografie: Nathan Daisy Charlotte Yonga ist in Paris geboren und lebt in Barcelona. Sie arbeitet mit Fotografie und Film. Die Porträtserie besteht aus “Nah”-Aufnahmen von Frauen in sanften, verwaschenen Farben. Obwohl die Bilder inszeniert wirken, wirken sie gleichzeitig wahr, als würde man den Frauen ganz nah kommen. Die Kontraste in ihrer […]

»Der katastrophale Schwund an Urteilskraft…«

Oder: Warum Hannah Arendt keine Transhumanistin gewesen wäre Ein Essay von Janina Loh Ich möchte mit etwas Positivem beginnen. Nicht nur, weil es der vielleicht einzige erfreuliche, sondern auch, weil es der vermutlich wichtigste Gedanke in der folgenden weitestgehend kritisch ausfallenden Analyse der Gegenwart ist. Wie an der Hoffnung sollten wir entschlossen an ihm festhalten, […]

Stil und Klasse – welchen Stil haben eigentlich die Arbeiter*innen?

Stil und Klasse – diese beiden Begriffe bilden nicht nur die positiv konnotierte Verschmelzung eines vermeintlich vollendeten Geschmacks. Die Zuschreibung eines Stils verknüpft sich zumeist mit einem ästhetischen Bewusstsein, das mit der jeweiligen Klassenlage verbunden ist. Am anderen Ende steht die Abgeschmacktheit – das billige Outfit, das ungesunde Essen, die vulgäre Wortwahl. Haben die sozial Marginalisierten Stil?

Anna Nero

Text: Maike Salazar Kämpf Portrait: Eda Temucin Fotografie der Werke: Alexander Neroslavsky Anna Nero ist in Moskau geboren und in Frankfurt/Main aufgewachsen. Ihre Arbeiten spielen mit den Betrachter*innen. Sie ziehen an, zwinkern einem zu, ziehen einen in einen Raum hinein. Mit intensiven Farben und phallischen Formen locken sie die Betrachter*innen an, wie Honigfallen. Beim Herantreten […]

Drei Fragen an Mirna Funk

Agave Magazin: Ihr erstes Sachbuch „Who cares! Von der Freiheit, Frau zu sein“ erscheint im Mai 2022. Was verstehen Sie unter „Freiheit“?

Mirna Funk: Mein Freiheitsbegriff ist eng verknüpft mit dem des Judentums. Denn da steht die Genesis für den ersten Moment der freien Wahl. Essen wir vom Baum der Erkenntnis oder nicht? Ganz einfach: Wir haben die freie Wahl und sind autonom. Auch, wenn das heute gerne verleugnet wird, um sich in einer infantilen Verantwortungsabwehr zu suhlen. Das ist nicht so sehr mein Style. Anders als die meisten Tiere können wir unser eigenes Leben nehmen.  Mehr Freiheit geht nicht. Alles was dazwischen kommt, ist Pillepalle. Wer nicht begreift, dass er täglich entscheidet, welchen Verlauf sein Leben nehmen wird, wird ein ungelebtes Leben führen. Und selbst das ist eine autonome Entscheidung. Nämlich die Entscheidung, die eigene Autonomie abzulehnen.

Drei Fragen an Alois Prinz

DREI FRAGEN ZU HANNAH ARENDT Agave Magazin: Herr Prinz, wie erklären Sie sich die gegenwärtige Hannah Arendt-Konjunktur? Warum wird sie so viel gelesen und diskutiert? Alois Prinz: Angesichts der verwirrenden Vielfalt von Meinungen, der wir tagtäglich ausgesetzt sind, gerade in den sozialen Medien, und der Erfahrung, dass auch die Wissenschaft oft ratlos ist, ist das Bedürfnis nach […]

Arendt

Die neue Ausgabe ist da! Arendt hat vermutlich Marx und Nietzsche als berühmteste deutsche Philosophin abgelöst: Wissenschaftlerinnen, Künstler, Politikerinnen, Autoren, Studentinnen, Zeitdiagnostiker und Kuratorinnen bergen immer neue Schätze aus ihrem Werk, das heute aktueller denn je scheint. In diesem Heft geht es um Privates und Politisches (Eva Geulen), um das Gemeinsame (Héla Hecker), Arendts Opposition […]

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