Die Frau und das Geld

(oder: Das Weibliche Kapital – in Anlehnung an das jüngst erschienene Werk von Linda Scott) ein Gastbeitrag von Anne Herion Die Wissenschaft verfügt nicht einmal über die Werkzeuge, um [die wirtschaftliche Ausgrenzungder Frau] begrifflich zu fassen. Die vorherrschende Philosophie bietet als einzige Erklärung, dass (a) Frauen im Hinblick auf jedwede Art wirtschaftlichen Engagements biologisch unterlegen seien„Die Frau und das Geld“ weiterlesen

Oral History

Philosophie, die sich ihren Gegenstand so groß wählt, dass sie ihn nur abstrakt behandeln kann, wird klein. Das passiert ihr aber auch dort, wo sie sich in Detailfragen verliert und nicht zum Wesen vorstößt, also mit müder, anspruchsloser Geste Erbsen zählt. Und dann gibt es Fälle, in denen ein kleiner Gegenstand mit so großer Sorgfalt„Oral History“ weiterlesen

Wofür steht Rom?

Die Geschichte als Stadt Normalerweise unterschätzt der Besucher die Entfernungen in einer fremden Stadt. In Berlin oder Paris will er nur ein paar Blocks laufen, weil es auf der Karte aussieht wie ein Katzensprung und dann sind es doch viele Kilometer, sodass er erschöpft aufgibt. Solche Städte bestrafen den naiven Reisenden. Rom hingegen gibt ihm„Wofür steht Rom?“ weiterlesen

Hip-Hop, Knüppel auf’n Kopp

Im ZEIT-Podcast hat sich Jens Balzer darüber beschwert, dass Elektromusik im Feuilleton zu kurz kommt – anders als zum Beispiel Hip-Hop. Er erklärt das damit, dass Hip-Hop etwas für Leute ist, „die sonst keine Musik hören“ (Haftbefehl nennt er den „neuen Peter Maffay“) – allseits beliebte „Stubenhockermusik“, während man für den Rave immerhin seine Wohnung„Hip-Hop, Knüppel auf’n Kopp“ weiterlesen

VALENTIN

Gestern ist die erste Ausgabe des Agave-Magazins erschienen. Jeden Sonntag werden wir einen Beitrag vorstellen. Wir beginnen mit unserem Cover-Model, der Künstlerin VALENTIN. Sie hat zuletzt ihre Singles „Drogen nehmen“ und „Britney“ veröffentlicht. 2021 geht sie mit Mia auf Tour. Ihre Musik ist eine Mischung aus Fashion-Techno, Klarinette und Feminismus. Wir hören „Niv“, das ihrer„VALENTIN“ weiterlesen

Zwischen Trümmern und Visionen.

Trümmerberge, Bauskelette, Einschusslöcher… Mittendrin ein Banner mit Assad, winkend und lächelnd: „Zusammen werden wir es wieder aufbauen“. Ein absurder Kontrast. Syrien befindet sich seit 2011 im Bürgerkrieg. Ausgelöst durch Proteste des Arabischen Frühlings, ist das Land in einen unübersichtlichen Guerillakrieg gestürzt, in dem die Fronten immer unklarer werden. So unübersichtlich das Kriegsgeschehen, so offenkundig sind„Zwischen Trümmern und Visionen.“ weiterlesen

Der Philosoph als Vampir

Till berichtete mir von haarsträubenden musiktheoretischen Fehlern in Adornos Jazz-Kritik. Offenbar verwechselte er grundlegende Begriffe und Schönberg wird seine Gründe gehabt haben, warum er nicht viel von ihm hielt. Adorno hat aber immer behauptet, sich nie entschieden zu haben zwischen Komposition, Musiktheorie und Philosophie und seine komplizierte Utopie (die wiederum keine sein will) sei ein„Der Philosoph als Vampir“ weiterlesen

Die Rückkehr der Götter

War Friedrich Kittler nun wirr oder genial? Weder aus den Schriften noch aus den Fernsehinterviews werde ich schlau. Ein Altherrending allein kann sein fahrig-bescheidwisserisches Auftreten nicht sein. Mich erinnert er an jemanden, der erst Mitte 30 ist und ebenfalls die Philosophie in Technikwissenschaft überführen will (Kittler wollte ja mal den Geisteswissenschaften „den Geist austreiben“, weil„Die Rückkehr der Götter“ weiterlesen

„La Isla de los Olvidados“ – die Insel der Vergessenen

Ein Gastbeitrag von Mauricio Salazar Lopez Ortiz Hart Island“, New York City, Frühsommer 2020 – als die „Toten ohne Namen“ gehäuft in schwarzen Säcken, Kühlcontainern, Transportern und in einfachen Särgen im Stadtbild von New York auftauchten, fühlten wir uns in die schlimmsten Zeiten der Gewalt in Kolumbien und Mexiko versetzt. Auch dort werden Menschen zu„„La Isla de los Olvidados“ – die Insel der Vergessenen“ weiterlesen

Sommerbeben. Über Revolution und Jahreszeit

Es ist Sonntag, heiß, schwül und unruhig: Ein Auto wird von zwei Polizeiwagen um den Park gejagt, Motorräder heulen auf, zwei Kinder balgen sich in ihrem Fahrradanhänger, seltsame Gestalten drücken sich im Schatten der Häuser herum, viele joggen, um sich abzureagieren. In der schwülen Hitze fühlt man sich klebrig, müde und tatendurstig zugleich und spürt:„Sommerbeben. Über Revolution und Jahreszeit“ weiterlesen