Empire 2021 oder: Chinas Apollinismus

Mein erstes Theoriebuch war „Empire“ von Michael Hardt und Antonio Negri. Es fiel mir im Umfeld des G8-Gipfels von Heiligendamm in die Hände. Ich fand es schwierig, aufregend und verdanke ihm den Entschluss, Politikwissenschaft zu studieren, da ich gehört hatte, dass Negri Politikprofessor war. Im Studium habe ich mich dann aber sehr gewundert. In Heiligendamm,„Empire 2021 oder: Chinas Apollinismus“ weiterlesen

Die Erstickung der Weihnachtsrevolte im silvesterlichen Thermidor

Die Neujahrswoche gehört zu den traurigsten des gesamten Jahres. Nachdem um Weihnachten herum die Zartheit zu einem weithin geteilten Ideal geworden war (vgl. „In den Herzen ist’s warm / Still schweigt Hunger und Harm / Sorge des Lebens verhallt / Freue dich, ’s Christkind kommt bald“), macht, bevor diese Zartheit sich verallgemeinern, also Kommunismus werden„Die Erstickung der Weihnachtsrevolte im silvesterlichen Thermidor“ weiterlesen

Weihnachtstrubel als Kenosis des Menschen

Die Kommerzialisierung des Weihnachtsfests ist kritischen Abendländlern ein Dorn im Auge. Doch sollten sie genauer hinsehen: An Heiligabend ist Gott auf die Erde gekommen und hat sich in Jesus Christus entäußert (Kenosis = „Entäußerung“, „Leerwerden“). Dabei ist er unter die Menschen getreten, hat ihre sterbliche Gestalt angenommen und etwas von seiner Göttlichkeit abgelegt. Er „nahm„Weihnachtstrubel als Kenosis des Menschen“ weiterlesen

Der katholische Geist des Kapitalismus

Im Grunde haben wir alle, auch wenn wir sie mit dem Hinweis auf den darin steckenden Kulturalismus pflichtschuldig ablehnen, Max Webers These vom protestantischen Geist des Kapitalismus geschluckt. Wir halten Verzicht, Sparsamkeit, Disziplin, Freudlosigkeit, Arbeitseifer und individuelle Interessenverfolgung für die Motoren des Kapitalismus und wer diese Sekundärtugenden infrage stellt, darf sich schon als Kapitalismuskritikerin fühlen. „Der katholische Geist des Kapitalismus“ weiterlesen

Es sollen die Wissenden regieren

Die eigentliche Bedeutung der Corona-Krise könnte darin liegen, dass sie die Experten vollends an die Macht bringt. War schon die Ära Merkel von einem Hang zum leisen Sachzwang bestimmt (Thatcher musste ihn noch lautstark durchsetzen), die von der Klimabewegung zusätzlich angefeuert wurde, könnte der Kampf gegen das Virus den letzten Baustein der Macht liefern. Ab„Es sollen die Wissenden regieren“ weiterlesen

Sevilla (2019)

Charakterpunkte Andalusien im Spätsommer ist rostbraun. Das Rollfeld des Flughafens von Sevilla nimmt diesen Farbton auf. In Deutschland sind die Rollfelder so grau wie man die Innenstädte lange Zeit gebaut hat. Stiltendenzen gehen an Flughäfen nicht spurlos vorüber, doch das verfügbare Spektrum ist begrenzt: Als Funktionsgebäude müssen sie einen ernsten und nüchternen Farbton tragen. Unter„Sevilla (2019)“ weiterlesen

Oral History

Philosophie, die sich ihren Gegenstand so groß wählt, dass sie ihn nur abstrakt behandeln kann, wird klein. Das passiert ihr aber auch dort, wo sie sich in Detailfragen verliert und nicht zum Wesen vorstößt, also mit müder, anspruchsloser Geste Erbsen zählt. Und dann gibt es Fälle, in denen ein kleiner Gegenstand mit so großer Sorgfalt„Oral History“ weiterlesen

Wofür steht Rom?

Die Geschichte als Stadt Normalerweise unterschätzt der Besucher die Entfernungen in einer fremden Stadt. In Berlin oder Paris will er nur ein paar Blocks laufen, weil es auf der Karte aussieht wie ein Katzensprung und dann sind es doch viele Kilometer, sodass er erschöpft aufgibt. Solche Städte bestrafen den naiven Reisenden. Rom hingegen gibt ihm„Wofür steht Rom?“ weiterlesen

Hip-Hop, Knüppel auf’n Kopp

Im ZEIT-Podcast hat sich Jens Balzer darüber beschwert, dass Elektromusik im Feuilleton zu kurz kommt – anders als zum Beispiel Hip-Hop. Er erklärt das damit, dass Hip-Hop etwas für Leute ist, „die sonst keine Musik hören“ (Haftbefehl nennt er den „neuen Peter Maffay“) – allseits beliebte „Stubenhockermusik“, während man für den Rave immerhin seine Wohnung„Hip-Hop, Knüppel auf’n Kopp“ weiterlesen

Der Philosoph als Vampir

Till berichtete mir von haarsträubenden musiktheoretischen Fehlern in Adornos Jazz-Kritik. Offenbar verwechselte er grundlegende Begriffe und Schönberg wird seine Gründe gehabt haben, warum er nicht viel von ihm hielt. Adorno hat aber immer behauptet, sich nie entschieden zu haben zwischen Komposition, Musiktheorie und Philosophie und seine komplizierte Utopie (die wiederum keine sein will) sei ein„Der Philosoph als Vampir“ weiterlesen