Oral History

Philosophie, die sich ihren Gegenstand so groß wählt, dass sie ihn nur abstrakt behandeln kann, wird klein. Das passiert ihr aber auch dort, wo sie sich in Detailfragen verliert und nicht zum Wesen vorstößt, also mit müder, anspruchsloser Geste Erbsen zählt. Und dann gibt es Fälle, in denen ein kleiner Gegenstand mit so großer Sorgfalt„Oral History“ weiterlesen

Wofür steht Rom?

Die Geschichte als Stadt Normalerweise unterschätzt der Besucher die Entfernungen in einer fremden Stadt. In Berlin oder Paris will er nur ein paar Blocks laufen, weil es auf der Karte aussieht wie ein Katzensprung und dann sind es doch viele Kilometer, sodass er erschöpft aufgibt. Solche Städte bestrafen den naiven Reisenden. Rom hingegen gibt ihm„Wofür steht Rom?“ weiterlesen

Hip-Hop, Knüppel auf’n Kopp

Im ZEIT-Podcast hat sich Jens Balzer darüber beschwert, dass Elektromusik im Feuilleton zu kurz kommt – anders als zum Beispiel Hip-Hop. Er erklärt das damit, dass Hip-Hop etwas für Leute ist, „die sonst keine Musik hören“ (Haftbefehl nennt er den „neuen Peter Maffay“) – allseits beliebte „Stubenhockermusik“, während man für den Rave immerhin seine Wohnung„Hip-Hop, Knüppel auf’n Kopp“ weiterlesen

Der Philosoph als Vampir

Till berichtete mir von haarsträubenden musiktheoretischen Fehlern in Adornos Jazz-Kritik. Offenbar verwechselte er grundlegende Begriffe und Schönberg wird seine Gründe gehabt haben, warum er nicht viel von ihm hielt. Adorno hat aber immer behauptet, sich nie entschieden zu haben zwischen Komposition, Musiktheorie und Philosophie und seine komplizierte Utopie (die wiederum keine sein will) sei ein„Der Philosoph als Vampir“ weiterlesen

Die Rückkehr der Götter

War Friedrich Kittler nun wirr oder genial? Weder aus den Schriften noch aus den Fernsehinterviews werde ich schlau. Ein Altherrending allein kann sein fahrig-bescheidwisserisches Auftreten nicht sein. Mich erinnert er an jemanden, der erst Mitte 30 ist und ebenfalls die Philosophie in Technikwissenschaft überführen will (Kittler wollte ja mal den Geisteswissenschaften „den Geist austreiben“, weil„Die Rückkehr der Götter“ weiterlesen

Sommerbeben. Über Revolution und Jahreszeit

Es ist Sonntag, heiß, schwül und unruhig: Ein Auto wird von zwei Polizeiwagen um den Park gejagt, Motorräder heulen auf, zwei Kinder balgen sich in ihrem Fahrradanhänger, seltsame Gestalten drücken sich im Schatten der Häuser herum, viele joggen, um sich abzureagieren. In der schwülen Hitze fühlt man sich klebrig, müde und tatendurstig zugleich und spürt:„Sommerbeben. Über Revolution und Jahreszeit“ weiterlesen

Notizen zu Korsika (2018)

20. Juni, Bastia herb und schroff Korsika ist eine seltsame, knorrige, störrische Insel. Schon der Name klingt nach etwas Herbem, Schroffem. Obwohl es im Süden liegt, hat es nichts Süßes oder Liebliches. Man denkt ja eher an kantige Berge und steile Küstenfelsen, scharfen Pastis und den unangenehmen Napoleon, weiterhin: Kastanien, Wildschwein und Schafe. Selbst der„Notizen zu Korsika (2018)“ weiterlesen

Der Film Parasite. Klassenkampf gegen sich selbst

Die Anfangsszene enthält bereits den ganzen Film. In ihr sehen wir, wie die Kinder der armen Kim-Familie auf das Toilettenpodest klettern, um die WLAN-Brosamen vom benachbarten Café einzusammeln. Zugang zu dem, was es am besten kann (Südkorea hat das schnellste Internet der Welt), gewährt das Land nur dem, der mitmacht beim Nachobenklettern und bereit ist,„Der Film Parasite. Klassenkampf gegen sich selbst“ weiterlesen

Das geheime Leipzig. Zum Ursprung des Agave-Magazins.

In den späten Zehnerjahren gab es in Leipzig einen Donnerstagssalon. Darin herrschte der unbeschwerte Geist einer ausklingenden Epoche. Die Wirtschaft boomte, Leipzig wuchs, die Geschichte schien nur noch quantitative Minimalfortschritte auf dem Weg zur Welteinheit zu kennen, sodass man ohnehin nicht viel tun konnte und sich dem Spiel als der adäquaten Form einer politisch-philosophischen Existenz„Das geheime Leipzig. Zum Ursprung des Agave-Magazins.“ weiterlesen

Der letzte Staufer

„Mit Konradin ist der letzte männliche Namensträger der alten Konstanzer Patrizierfamilie Leiner gestorben“, schrieb der Südkurier am 29. Oktober 1996 und beschwor damit einen Mythos, der dem Drachen-, Helden- und Mythenforscher gefallen hätte. Denn Konradin hieß der letzte Staufer, nach dessen Tod das mittelalterliche Reich zerfiel. Das passierte auch hier, allerdings in einem anderen Bereich,„Der letzte Staufer“ weiterlesen