Die eindimensionale Frau. Nina Power über einen falschen Feminismus

Wo sind all die interessanten Frauen hin?”, fragt sich Nina Power in “Die eindimensionale Frau”. Sie kritisiert darin die Aushöhlung des Feminismusbegriffs durch seine inflationäre Verwendung. Es ist lediglich gelungen, die Arbeit zu “feminisieren”, während Frauen von der Macht weiterhin ferngehalten werden. Stattdessen lastet nun ein stärkerer Druck auf ihnen, immer  mehr Leistung zu erbringen und sich gleichzeitig zu vermarkten. Sie arbeiten auch heute noch für weniger Geld, mit unsicheren Verträgen und mehr Selbstoptimierungwahn – perfekt für die Arbeitgeber. Sie bringen sogenannte “weibliche” Eigenschaften (Kommunikationsfähigkeiten, Empathie, Umsicht, Beziehungsfähigkeiten) und viel Flexibilität mit in die Arbeitswelt. Power nennt Frauen in Führungspositionen “Alibifrauen” und “Lockvögel” einer “Alibipolitik”. Verändert, so Power, haben sie bisher nichts. Als Beispiel nennt sie Condoleezza Rice, Margaret Thatcher und Sarah Palin (wer erinnert sich noch?) – vielleicht gehören auch Angela Merkel und Ursula von der Leyen dazu. 

Viele, so Power, stellen sich auch heute noch unter einer Feministin eine Frau vor, die “sich wie ein Mann verhielt, den Phallus respektierte und sich gab, als hätte sie selbst einen”. Eine Feministin ist dadurch im allgemeinen Verständnis höchstens ein unzulänglicher Mann (da ihr der Phallus ja tatsächlich fehlt). 

Power kritisiert beispielsweise, dass Palin sich Feministin nennt, obwohl sie unter anderem gegen Abtreibungen ist, oder dass Bush vorgibt, Frauen vor den Taliban zu retten, um seine Kriege im Nahen Osten zu rechtfertigen, eine Strategie, die schon zu Zeiten des Kolonialismus verwendet wurde: “Im viktorianischen Zeitalter kämpfte die männliche Führungsschicht (…) erbittert gegen die sich im eigenen Land erhebenden feministischen Forderungen und deren zeitweilige Erfolge (…). Gleichzeitig aber wurde weltweit die Sprache des Feminismus genutzt, um die Kolonien auszubeuten”, zitiert Power “Feminism as Imperialism” von Kathrin Viner. “Wenn der Feminismus es schafft, seine aktuelle imperialistische und konsumistische Hochglanzattitüde abzulegen, könnte er wieder seine unverzichtbaren umwälzenden politischen Forderungen in den Mittelpunkt rücken und so seine gegenwärtige Eindimensionalität ein für allemal loswerden”, schreibt Power.

Jede Kritik meint auch immer sich selbst und so endet das Buch mit einem Gespräch zwischen Power und Charlotte Roche, in dem sie zu dem Schluss kommen, dass sie zwar Feministinnen sind, sich aber mit Selbstzweifeln bezüglich ihres Aussehens herumschlagen, sich zu dick fühlen und ihr Leben nicht wie in “Feuchtgebiete” leben (können).

Nina Power: Die eindimensionale Frau. Merve Verlag Berlin

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