The phenomenal woman (II)

Christine Battersbys Buch über feministische Metaphysik und Identitätsstrukturen beginnt mit der Definition des Wortes „phänomenal“:

phenomenal: extraordinary, exceptional, prodigious, unnatural, marvellous, amazing, often used hyperbolically in reference to some object or person of extraordinary power, gifts or other quality which excites wonder.

phenomenal: in philosophy, that which has the nature of a „phenomenon“ (pl.“phenomena“) and is the object of sense experience; applied to that which only seems to exist but which is a mere illusion of the senses; often opposed to that which is „real“, „objective“ or „noumenal“.


Phänomenal bedeutet einerseits bewunderungswürdig, außergewöhnlich, wunderbar, erstaunlich, oft hyperbolisch verwendet in Bezug auf einen Gegenstand oder eine Person von außerordentlicher Macht, Begabung oder einer anderen Eigenschaft, die zum Staunen anregt. Gleichzeitig bedeutet es in der Philosophie laut dem Duden all dasjenige, was die Natur eines „Phänomens“ hat und Gegenstand der Sinneserfahrung ist, etwas, das nur zu existieren scheint, aber eine bloße Illusion der Sinne ist und oft im Gegensatz zu dem was „real“ oder „objektiv“ ist steht. Battersby schreibt, dass Frauen in der westlichen Metaphysik im doppelten Wortsinn phänomenal wahrgenommen werden. Sie sind wunderbar, aber gleichzeitig nur eine Hülle, sie sind nicht Teil der Wahrheit oder Essenz.

Battersby stellt diese Logik auf den Kopf: sie schreibt Kants „kopernikanische Wende“, in der er in der Kritik der reinen Vernunft (1781) statt Gott den Mann in das Zentrum stellte, um, indem sie den Mann durch eine Frau ersetzt. Dadurch wird das Subjekt ihrer Studie von ihr nicht mehr als autonom, sondern als abhängig und in Verbindung mit anderen Personen gedacht. Battersby verschiebt die Aufmerksamkeit vom Tod auf die Geburt. So ersetzt sie etwa die Frage, wie es sein kann, dass wir sterben, durch die ebenso unbegreifliche Frage, wie es möglich ist, dass wir geboren werden und „ein Selbst“ entsteht.

Battersbys und Angelous „Phenomenal Woman“ rücken somit beide das Frau-sein in den Fokus, bis sich alles darum dreht — die Theorien, die Männer und sie selbst. Mit Eleganz ändern sie dadurch die Definition des Wortes „phänomenal“ von der Oberfläche zur Essenz.

But what if the „object“ started to speak?

Luce Irigaray, Speculum of the Other Woman

Battersby forscht zu feministischer Ästhetik und Metaphysik, ihr besonderes Interesse gilt dem Erhabenen, Frauen und Kreativität, dem Leben mit dem Sterben, Trauma, Drohnenkriegen und Kosmopolitismus des 21. Jahrhunderts. Sie bezieht sich vor allem auf Beauvoir, Kant, Kierkegaard, Nietzsche, Sartre, Schopenhauer und die Dichterin H.D. (Hilda Doolittle).

Christine Battersby: The Phenomenal Woman. Feminist Metaphysics and the Patterns of Identity (1998)

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